Gesamtsicht und Alternativen

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Ausgangslage

Energieverbrauch Schweiz

Die Schweiz benötigt für die Energieversorgung verschiedene Energieträger. Diese sind in der nachfolgenden Grafik aufgeführt. Wussten Sie, dass die Schweiz bei der Energie zu 75% von Importen aus dem Ausland abhängig ist?

 

Gesamtenergieverbrauch 2015

Ein Viertel des Gesamtenergieverbrauchs wird also durch Strom erbracht.

 

Strommix Schweiz

Die Schweiz kann sich im Bereich Strom knapp selber versorgen, d.h. die Importe und Exporte halten sich in der Summe etwa die Waage. Im Winter wird tendenziell Strom importiert, im Sommer wird exportiert.

Unser inländischer Strom setzt sich so zusammen:

Strommix in GWh CH 2015

Wie klar ersichtlich wird, liefern Wasserkraft und Kernenergie die Löwenanteile. Die erneuerbaren Energien trugen 2015 2.6% zur Produktion bei. Davon war der grösste Anteil Solarstrom (Link).

Wussten Sie eigentlich, dass es in Europa nicht zuwenig, sondern viel zu viel Strom gibt?

Wegfall der Kernkraftwerke

Durch den beschlossenen Ausstieg aus der Kernkraft fehlen der Schweiz mittelfristig ca. 22 TWh Strom (ca. ein Drittel der inländischen Stromproduktion), sofern man den aktuellen Eigenversorgungsgrad beibehalten will. Dies soll gemäss Energiegesetz  (EnG) teilweise durch den Ausbau von erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft) auf 11’400 GWh kompensiert werden. Davon sollen 4’000 GWh durch Windkraft erfolgen.

 

Ersatz durch Windkraftanlagen – Machbarkeit

Sollten diese 4’000 GWh tatsächlich mit Windkraftanlagen produziert werden, so wären für dieses Ziel (sehr grosszügig angenommener Jahresertrag pro Anlage: 5GWh [In Deutschland ist der Ertrag im Schnitt 3.3 GWh) in der Schweiz 800 Windkraftanlagen zu bauen!

Da in der Schweiz der Wind schwach weht, müssen dazu gigantische Anlagen errichtet werden. Die dichtbesiedelte Schweiz mit ihrer weltbekannten Landschaft als Wald von 200m hohen Windkraftanlagen? Das soll eine ernsthafte Option sein?

Wenn wir die gesamte Produktion der Kernkraftwerke durch Windkraftanlagen ersetzen wollen, so benötigten wir 4’400 Windkraftanlagen. Spätestens jetzt stellen sich wohl bei Ihnen gewisse Zweifel ein, ob diese Technologie die richtige ist…

Zudem ist der Wind in der Schweiz nur an wenigen Orten genug stark (Karte: Durchschnittliche Windgeschwindigkeit in m/s 100m über Grund) [Anmerkung: 2016 wurden die Daten neu berechnet und zeigen nun viel mehr Wind an, siehe hier]

Wind 100m über Grund CH

Der Bau von Windkraftanlagen müsste also vor allem im Jura sowie in den Bergen erfolgen. Weite Teile der Schweiz eignen sich nicht dafür.

Zur Information: In Deutschland gilt als Referenzwert für EEG-Berechtigung eine Mindestgeschwindigkeit von 6.4 m/s (80 Meter über Grund).

 

Aus der Windkarte oben folgen dann die unten eingezeichneten Standorte. Vor allem der Jura wird in diesem Szenario mehr oder weniger komplett mit Windkraftanlagen überbaut.

Potentielle Standorte Windkraftanlagen

 

Repowering

Denken Sie auch an die Zukunft: Wie bestehende Anlagen in der Schweiz und v.a. in Deutschland zeigen, werden bestehende Windkraftanlagen nach einer bestimmten Zeit durch noch grössere Anlagen ersetzt („Repowering“). So werden beispielsweise auf dem Mont Crosin vier alte Anlagen durch neue, grössere Anlagen ersetzt.

Kleines Detail am Rande: Auf dem Mont Crosin, dem Windkraft-Vorzeigeprojekt dürfen die Anlagen maximal 150m hoch sein. Im viel kleinräumigeren Gebiet Oberegg: Keine Limite!

Die Windkraftanlagen werden immer grösser – dies sehen Sie an dieser Grafik sehr gut:

Grösse Windkraftanlagen über die Jahre

Die aktuell grösste Windkraftanlage weist eine Höhe von 230m auf. Bald bei uns vor der Haustüre zu sehen?

Alternativen – Unsere Sicht

Es ist sinnvoll, die Energiefrage im grossen Kontext anzuschauen – und die richtige Frage lautet aus unserer Sicht: Wo kann man mit dem kleinsten Aufwand den höchsten Nutzen erzielen? Bei der Beantwortung dieser Frage muss der Gesamtenergieverbrauch im Auge behalten werden – also nicht nur auf Strom fokussiert werden.

Bei der Umsetzung der Ziele muss zwingend der Mensch im Mittelpunkt stehen! Es müssen Lösungen angewandt werden, welche die Lebensqualität der Menschen nicht beeinträchtigen.

Unter diesen Rahmenbedingungen sehen wir in folgenden Bereichen grosses Potential:

  • Ausbau der Wasserkraft im Rahmen der Möglichkeiten – damit ist die Schweiz schon jahrelang gut gefahren und als Wasserschloss Europas gilt es von diesem Vorteil zu profitieren. Des weiteren sollten mehr Pumpspeicherkapazitäten aufgebaut werden, um den stochastisch anfallenden Strom aus Photovoltaik und Wind (v.a. aus dem Ausland) speichern zu können.
  • Stärkere Nutzung der Solarthermie – gemäss Studien des BFE lassen sich zwischen 30% und 60% des Wärmebedarfs der Wohngebäude dadurch decken. Eine kostengünstige, sichere, visuell kaum störende Wärmequelle, welche auch für Arbeitsplätze in der Region sorgt!
  • Stärkere Nutzung der Photovoltaik: Diese Energieerzeugungsform lässt sich ebenfalls gut ins Landschaftsbild einfügen und hat keine negativen Auswirkungen auf die Anwohner. Gemäss Untersuchungen des VSE könnten bei einem Vollausbau bis zu 14 TWh Strom pro Jahr erzeugt werden.
  • Intensivierung der Energiesparbemühungen wie z.B. Gebäudesanierungen oder Erhöhung der Energieeffizienz.
  • Import von Strom aus erneuerbaren Quellen (dazu auch: Link). Die Schweiz ist für Wind nur bedingt geeignet – es gibt andere Länder, die dafür deutlich besser geeignet sind. Warum importieren wir nicht einfach den sauberen Strom aus dem Ausland? In der Schweiz baut ja auch niemand Bananen an…
  • Bau von Windkraftwerken an geeigneten Orten im Ausland: Genau das machen unsere Energiekonzerne bereits – schreiten wir diesen Weg konsequent weiter! Aktuell sind im Ausland bereits Windkraftanlagen mit einer Energieerzeugung von 6.5TWh von Schweizer Stromerzeugern gebaut worden – mehr, als bis 2050 in der Schweiz geplant sind.
  • Geothermie: Aktuell hat die Geothermie mit einigen Rückschlägen zu kämpfen – dennoch sollten man diese Möglichkeit nicht vorschnell abschreiben. Der Grundgedanke ist bestechend: Emissionsfreie Bandenergie!
  • Biomasse: Im Appenzellerland ist Holz ein Energieträger mit Geschichte – warum sollten wir nicht Strom aus Holz produzieren? Ein geschlossener CO2-Kreislauf sowie Arbeit für die Region sprechen klar dafür!

Und: Unterschätzen Sie nicht die Kraft der Innovation: Die Menschheit ist erfinderisch!